Erlebnisse eines Schnupper-Piloten

Mit einem Schnupper-Wochen-Kurs in Schänis vom 09. – 13.08.2010 in der „Brain-Box“ wollte ich das Angebot „Auf und davon“ mit der ASK 21 Mi nutzen und meldete mich für den 30.10.2010 an. Voller Vorfreude und grosser Erwartung war ich dann schon um 09:30, also eine halbe Stunde vor der abgemachten Zeit, am Platz in Schänis.

Es herrschte eine wunderbare Föhnstimmung. Vergebens suchte ich den grossen Windsack um eine Ahnung der Windstärke zu bekommen, dafür blinkte das rotierende Gelblicht in monotoner Gelassenheit. Erst später habe ich dann vernommen, dass der Föhnsturm während der Nacht sich am Windsack gütlich getan hatte.

Nun denn, ich wartete eine Weile, suchte dann Brigitte auf um mich zu melden und mich nach dem Fluglehrer zu erkundigen. Sie teilte mir mit, dass Peter Schmid, mein vorgesehener Fluglehrer, noch mit einem Schüler zum Akro-Training unterwegs sei und versuchte vergebens Peter über Funk zu erreichen. Die Zeit verging und ich schaute interessiert den abfliegenden Segler zu, immer ein bisschen nervöser werdend. Als ich dann so gegen 11:00 Uhr auch noch dem letzten abfliegenden Piloten Hilfe beim Schieben und Abfliegen leistete, hatte ich doch langsam Bedenken ob es mit meinem Flug noch klappen würde.

Kurze Zeit später sah ich dann aber die ASK 21, HB 1635 noch die letzten Kunstflug-Figuren über der Platz-Box fliegen und bald darauf schwebte sie auch schon zur Landung rein. Nun gings allerdings zügig zur Sache: Die HB1635 zurückschieben, Putzhilfe leisten, die HB2450 rausschieben, alle Checks durchführen war dann bald erledigt, sodass wir um etwa 12:00 mit Motorkraft zum Start rollen konnten.

Unser Start erfolgte um 12:05 und schon bald nach erreichen der Sicherheitshöhe durfte ich den Knüp- pel übernehmen. Wir flogen Richtung Churfirsten und merkten bald darauf, dass uns der Föhn etwas durchschütteln würde. Nach etwa 20 Minuten Motorlaufzeit übernahm Peter das Steuer und kurbelte uns auf eine angenehme Höhe, wo ich dann wieder übernehmen konnte um Richtung Alvier/Gonzen zu fliegen.

Es ist kaum mit Worten zu beschreiben, was für eine einmalige Sicht sich vor uns auftat und vor allem, wie wir mit etwa 90 Kmh nur vertikal vorwärts kamen und so bald die 4000m erreichten. Mit dieser komfortablen Höhe und ca. 180 Kmh Geschwindigkeit kämpften wir gegen den Föhn an um das Tal zu überqueren mit Kurs auf den Klausenpass. Für mich ein wahnsinniges Erlebnis, die starken Turbulenzen zu durchfliegen um sich dann plötzlich wieder in der ruhigen, laminaren Strömung zu befinden und einfach nur mit über 5m/s zu steigen. So haben wir dann bald wieder die Obergrenze von 4500m erreicht und wiederholten dieses Spiel noch ein paar Mal. Dann gings aber mit Voll-Speed wieder zurück Richtung Prättigau und schon bald zogen wir unsere Kreise über Arosa.

Nachdem sich aber dann die vorgesehenen 11/2 Std Flugzeit verdoppelt hatten, machten wir uns langsam auf die Rückkehr. Obwohl wir schon vorher ziemlich durchgeschüttelt worden sind, war das kein Vergleich mit dem was uns in der Nähe des Gonzen erwartete ! Es war als hätten wir einen wildgewordenen Rodeo-Gaul unter unseren Hintern, und wir waren beide froh, diese Zone bald mal hinter uns lassen zu können.

Nach 3 Std 40 Min. landete dann Peter auf Piste 16 mit einer wundervollen Glissade so präzise, dass wir den Flieger mit einem kurzen Dreher direkt zurückschieben konnten. So endete ein wunderbarer Föhnflug mit voller Zufriedenheit und glänzenden Augen meinerseits. Ganz herzlichen Dank an Peter Schmid und Schänis-Soaring; ich werde bestimmt wieder kommen!

Walti Wuhrmann