Ein Modellflug-Verein wurde 80 ! Eine kleine Rückschau

Eigentlich wurde in Zürich schon 1915 die Gründung eines Zürcher-Modellflug-Vereins vollzogen und auch 1918 per Inserat im Zürcher Tagblatt für einen „Verein für Flugzeugmodelle und Gleitflieger“ geworben. Im gleichen Jahr 1918 wurde sogar ein Modellflugzeug-Wettbewerb in Zürich-Enge durchgeführt, jedoch waren das alles kleine, nicht organisierte Grüppchen von Flugmodellbauer.

Dann aber fanden sich die drei Herren Schramme, Burger und Fellmann zusammen und gründeten am 9. November 1926 den Flugzeugmodellbau Verein (FMBV). Schon im Gründerjahr haben sich 20 Mitglieder eingeschrieben und es entwickelte sich eine rege Bau– und Flugtätigkeit, auch unter Sekundarschülern.

Allerdings verlor der Modellflug mit dem Aufkommen der manntragenden Gleitfliegerei an Bedeutung. Nur dank dem Einsatz einiger „Angefressener“ ging die Aufbauarbeit weiter und man versuchte den Modellbau im Schulunterricht einzuführen, was aber am Widerstand der Handarbeitslehrpersonen scheiterte!

Da einige Modelflieger zu den Segelfliegern gewechselt hatten und nur noch eine kleine Gruppe Modellflieger übrig blieb, spannte man mit der Segelfluggruppe Zürich zusammen und bekam einen kleinen Platz im Segelbaulokal Letten. Werner Schramme gab in dieser Zeit die ersten Modellbaukurse.

Als Meilenstein in der Modellflug-Entwicklung ging die Ausstellung „Der Flug“ (28.5. – 18.7.1933), welche von der Sektion Zürich des AeCS durchgeführt wurde, in die Geschichte ein.

1935 baute das Mitglied Walter Baur ein Segelflugmodell WB155 aus Kieferholmen und Sperrholzrippen, das bei 175 cm Spannweite nur gerade 750 Gramm wog. Der Start erfolgte vom Bachtel-Hochwacht und endete nach 300 m Überhöhung und 5,22 km zurückgelegter Strecke.

1936 übernahm Dr. W. Dollfuss die Leitung der Modellbaugruppe Zürich und mit ihm begann ein beachtlicher Aufschwung (siehe auch Zitate im „Tilgenkamp“). Die Gruppe bezog ein neues Baulokal, löste sich von der Segelfluggruppe Zürich und wurde selbständig. In diesem Jahr fand auch das grösste Ereignis, nämlich ein Radio-Modell-Baukurs, welcher von Arnold Degen geleitet wurde, statt. Dieser Kurs dauerte fünf Lektionen, während denen A. Degen über das Mikrofon des Radio Studios Zürich die Hörer in die Geheimnisse des Modellbaus einführte. Den grossen Erfolg unterstrich der Verkauf von 1700 Modellbausätzen!


                                                               

1937 wurde der Bauplan des „Shell 1“ von A. Degen herausgebracht und mit einer Auflage von über 10'000 Exemplaren gratis abgegeben. Diesmal strahlte der Landessender Beromünster den zweiten Radio Modellbaukurs aus.

1940 entstand ein Rahmenreglement des AeCS, das den Anschluss der Modellfluggruppe erlaubte.

1943 zeigte die Stadt Zürich aktives Interesse am Modellflug und bewilligte CHF 3'000,-- für den Versuch eines fakultativen Ferienkurs „Modellbau in der Schule“. Über 500 Schüler meldeten sich an und deren 250 beendeten auch den Kurs. Aufgrund dieses Resultates unterstützte die Stadt weitere solche Kurse.

Am 14.6.1944 stellte das Mitglied Traugott Haslach einen neuen Schweizerrekord (Dauerrekord für Segelmodelle/Hochstart) auf mit einer Flugzeit von 2 Stunden 21 Minuten und 3 Sekunden! Dies mit dem Riesenvogel G41 nach Plänen von Emil Glünkin. Diese Leistung wurde der FAI auch als Weltrekord angemeldet.

Nun machte sich eine rückläufige Bewegung im Modellflug bemerkbar und verschiedene Gruppen wurden mangels Nachwuchs aufgehoben..

Bereits 1945 wurde das Balsaholz durch Willi Streil in der Schweiz eingeführt. Eine Sensation zwar, aber noch sehr teuer.

Bis 1949 versuchte man durchzuhalten, aber dann musste das Baulokal mangels Ausnutzung geräumt werden; immer mehr Mitglieder bevorzugten das Arbeiten zu Hause.

1950, also nach fast 15 Jahren trat Dr. W. Dollfuss als Sektions-Modellflugleiter zurück.

Langsam kam aber wieder Leben in die Gruppe und die schwachen Besuche des neuen Baulokales änderten sich zum Teil in Überbeanspruchung.

Auch in Sachen Wettbewerbsgeschehen und vor allem in den errungenen Resultaten tat sich einiges, was sich in mehreren Podestplätzen manifestierte. Dies vor allem in den Jahren 1952 – 1956.

 

1958 befürwortete das Volk den Ausbau des Flughafens Kloten, was den Modellflugplatz „Langer Zinggen“ sehr beeinträchtigte.

Ab 1960 entstanden vermehrte Spannungen in der Gruppe. Grund waren Meinungsverschiedenheiten, was einige Austritte zur Folge hatten. Dies schlug sich natürlich auch auf die Wettbewerbserfolge nieder. Grosse Siege blieben aus.

Erst 1962 wurden mit dem neuen Gruppenmodell A2 wieder Erfolge gefeiert, jedoch wurden die Schwierigkeiten der Gruppe durch den Verlust des Modellflugplatzes „Langer Zinggen“ immer grösser. Langsam häuften sich auch die Reklamationen der Bevölkerung über die Lärmbelästigung durch die Modell-Verbrennungsmotoren.

Durch das Aufkommen der Baukästen wurden die Eigenbauten immer weniger und dadurch die Benutzung des Baulokals immer geringer. Der „Egoismus“ nahm überhand und die einst grosse Kameradschaft nahm zusehends ab. Erst 1965 kehrte wieder Ruhe in die Gruppe ein und damit stiegen auch die Wettbewerbserfolge, was einige erste Plätze von Einzelmitgliedern, wie auch von der Gruppe belegten.

Ab 1967 stand mit dem Aufkommen der radiogesteuerten Modelle die Kategorie Freiflug in der Krise. Mit dem Bau einer Hartbelagspiste von 8 x 60 Metern bei Niederhasli durch die neu gegründete IG ZÜBÜ (Gruppen Zürich und Bülach), welche ausschliesslich dem radio-gesteuerten Modellflug diente, wurde man dieser neuen Tendenz gerecht. Dies schlug sich auch in vorderen Rängen bei Wettbewerben nieder.

Leider wurde durch die gut frequentierte Piste an Wochenenden „zuviel gesundheitsschädigender Lärm“ erzeugt, wie sich ein Bürger ausdrückte. Dadurch war es auch mit dieser Piste vorbei und der Gemeinderat bewilligte 1968 gerade noch die Durchführung von zwei Wettbewerben. Unter anderem am 29.6. ein Jubiläumsfliegen zum 20jährigen Bestehen der Firma Streil & Co., wobei die Firmen Graupner und Schuco Heli Werkequipen entsandten und neue Produkte vorführten.

Bis zum  Jahr 1972 war dann keine nennenswerte Tätigkeit zu verzeichnen, da trotz intensiver Suche kein neues Modellfluggelände gefunden werden konnte. Erst im April 1972 konnte der Vorstand die freudige Mitteilung verbreiten, dass bei Eglisau ein neues Gelände gefunden wurde. Die IG ZÜBÜ wurde aufgehoben, da auch die Gruppe Bülach ein neues Gelände gefunden hatte.

Mit dem Modell „Spirit of St. Louis” wurde ein Rekordflug durchgeführt, der von Zürich bis nach Lachen führte. Der Pilot Heini Steiner sass dabei im Motorboot auf dem Zürichsee und das Modell wurde gekonnt nach 80 Minuten und einer Distanz von gut 30 km sicher auf dem Flughafen in Lachen gelandet.

Bis ins Jahr 1977 sind dann keine speziellen Veränderungen zu verzeichnen, ausser dass der ganze Modellflug sich zur Fertigbauweise entwickelte, also nicht mehr nach Bauplan, sondern nach Montageanleitung zusammenbauen. Auch machte die Entwicklung der Elektronik daraus ein Hobby für jedermann. Daher musste das Baulokal Buchegg endgültig aufgehoben werden.

1977 erfolgten mit den neuen Statuten und Ausführungsbestimmungen rigorose Massnahmen und die Gruppe wurde eine juristische Person als selbständiger Verein. Diese Reorganisation hatte auch einen Mitgliederabgang zur Folge und sank von 115 auf 81 Mitglieder.

Im Modellflug, wie auch in anderen Sportarten, entwickelte sich die Wettbewerbsfliegerei immer mehr zum Spitzensport, was immer grösseren Einsatz von Geld und Zeit zur Folge hatte. Aus diesem Grund wurden die Freundschaftsfliegen und Gruppeninternen Wettbewerbe wieder mehr frequentiert.

1980:ein bewegtes Jahr für die MGZ, denn es ging darum, ob man aus dem AeCS austreten solle. In einer ausserordentlichen GV wurde dann entschieden, dass man bei der Sektion Zürich des AeCS bleibt und als Gastmitglied der Modellflugregion 5 beitritt, um weiterhin an den offiziellen Wettbewerben teilnehmen zu können.

Da es immer schwieriger wurde, geeignete und willige Personen für den Vereinsvorstand zu finden, wurde 1981 der Vorstand von 7 auf 5 Mitglieder verkleinert. In diesem Jahr begann auch mit der Seebacher Flugschau 81 die eigentliche Öffentlichkeitsarbeit, welche in der Aero-Revue 10/81 ausführlich gewürdigt wurde.

Im Jahr 1983 konnte die Gruppe ihr 50-Jahre-Jubiläum als AeCS Mitglied feiern. Die Würdigung, dass die MG Zürich als Pioniergruppe den Modellflug in der ganzen Schweiz gefördert hat, nahm die Gruppe nur zu gern entgegen. Mit über 7000 Mitgliedern sind die Modellflieger die grösste Sparte im AeCS geworden.

1986 wurde der MGZ erstmals von der Stadt Zürich die Bewilligung zur Durchführung einer Modellflug-Veranstaltung auf der Allmend erteilt. Diese Veranstaltung konnte 1988 mit riesigem Erfolg zum zweitenmal durchgeführt werden. Unter vielen anderen Piloten war Weltmeister Hanno Prettner der grosse Star der Veranstaltung. Zum letzten Mal konnte 1990 diese Veranstaltung auf der hinteren Allmend stattfinden, dies wegen dem Baubeginn des Uetliberg-Tunnels.

1992 wurde durch die MGZ erstmals in der Schweiz der Schlütter-Cup auf der vorderen Allmend ausgetragen. Auch diese Veranstaltung war ein grosser Erfolg und das fliegen von Modellhelikoptern konnte einem breiten Publikum wirkungsvoll vorgeführt werden.

1993 konnte dann das Jubiläum „60 Jahre MGZ beim AeCS“ mit einer Flugschau auf dem eigenen Platz in Eglisau/Buchberg gefeiert werden.

Ab 1997 wurde mit dem „Flying Circus Eglisau“ eine Flugschau ins Leben gerufen, welche alle 2 Jahre auf dem Modellflugplatz Eglisau stattfindet. Dabei werden auch Rundflüge mit einem Gross-Heli angeboten, was jeweils gutes Echo findet. Dass diese Heli-Piloten dann auch noch auf sehr beengten Platzverhältnissen ein sensationelles Flugprogramm zeigen, ist eine willkommene Zugabe.

Immer mehr wurde auch das Modellflugzeug-Schleppen aktiviert und im Jahr 2000 konnte die Gründung des Power-Schlepp-Teams bekannt gegeben werden.

Die Wettbewerbsteilnahme reduzierte sich in den letzten Jahren auf ein paar wenige Anlässe, wobei immer wieder ansprechende Resultate erzielt werden. Wie schon in früheren Jahren ist die MGZ auch bei den neuesten Trends, nämlich dem Segel-Kunstflug und dem GPS-Fliegen an vorderster Front mit dabei.

Mit der Hoffnung, dass diese motivierte, lebendige und aktive Gruppe auch weiterhin unsere wunderschöne Freizeit Beschäftigung aktiv mitgestaltet, schliesse ich diesen kleinen Rückblick auf 80 Jahre MG Zürich.

Walti Wuhrmann